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Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Hamburg

Wenn das kleine Herz nicht mehr schlägt

Freitag, 22. Juni 2018

Soltauer Schülergenossenschaft spendet 200 Euro an die Sternenkinder-Bestattungen in Walsrode.

Ein kleiner Mensch liegt in einer Decke gehüllt, die Hände zu Fäusten geballt, die Augen verschlossen. Glück, das in eine Hand passt – doch das winzige Herz des neuen Erdenbürgers hat bereits aufgehört zu schlagen. Es sind nur wenige, zerbrechliche Augenblicke der gemeinsamen Zeit zwischen Eltern und dem Sternenkind.
Maike Becker-Petzold, Seelsorgerin im Heidekreis-Klinikum in Walsrode, führt zweimal jährlich in der Walsroder Friedhofskapelle einen Sternenkindergottesdienst durch. Unterstützt wird sie durch Frau Tumbrink, Sekretärin der Gynäkologie und zugleich als Bindeglied zur katholischen Gemeinde, sowie Dr. Michael Abend, Chefarzt der Kinderklinik. Bei Bedarf steht Becker-Petzold den Betroffenen auch für Gespräche zur Verfügung. Gemeinsam mit Bernd Ostermann, Mitarbeiter Wirtschafts- und Versorgungsdienst, bereitet die Seelsorgerin die Bestattungen der Sternenkinder vor. „Die Gottesdienste sind für uns schwere Tage im Jahr", geben Becker-Petzold und Ostermann zu.
Das hohe Engagement der Mitarbeiter wird geschätzt, auch von Jugendlichen, wie die Mitglieder der nachhaltigen Schülergenossenschaft der BBS Soltau deutlich machen.
Ein Jahr lang haben die Mitglieder das unternehmerische Arbeiten in einer Genossenschaft kennengelernt. Dabei haben sie Veranstaltungen geplant und einen Schülerkalender erstellt, der komplett durch Werbeanzeigen finanziert ist. Den erzielten Jahresüberschuss spenden die Mitglieder nun für das „wenig bedachte, aber sehr emotionale und soziale Sternenkinder-Projekt", so Schülerin Nina Volmer.

Im Leben der jungen Genossenschaftsmitglieder dreht sich momentan viel um die eigene Zukunft. Wo will ich hin? Welcher Beruf ist der Richtige für mich? Was sind meine Ziele? Der Gedanke an den Verlust des eigenen Kindes stimmt die jungen Erwachsenen nachdenklich. „Davor weglaufen kann niemand", gibt der Schüler Michel Sichon zu Bedenken. Diese harte, oft unerwartete Wendung im Leben der Eltern, die voller Freude auf ihre kleinen Söhne und Töchter sind, war einer der Beweggründe der Schüler zu ihrer Spende. „Die angemessene Beerdigung der Kinder und ihre Unterstützung für die Eltern sollte noch mehr geschätzt werden", wendet sich Nina Volmer an Becker-Petzold und Ostermann. Umso mehr freuen sie sich über die Spende der Schülergenossenschaft. Die eine Hälfte des Geldes wird für neue Stoffe der Sternenkinder-Kästchen verwendet, die andere Hälfte zur Anschaffung von kleinen Erinnerungsstücken, kleine Herzen oder Engel für die Eltern, erklärt Becker-Petzold.

Betroffen verfolgen die Gäste im Heidekreis-Klinikum Walsrode die Ausführungen der beiden Mitarbeiter. „Für mich sind die Neugeborenen von Beginn an kleine Menschen und keine toten Lebewesen, die entsorgt werden müssen", stellt Bernd Ostermann dar. Der Gedanke ist hart, aber rein rechtlich sind Sternenkinder unter 500 Gramm Gewicht nicht bestattungspflichtig. Mit zwei ökumenischen Gottesdiensten im Jahr und der Sternenkindergrabstelle auf dem Walsroder Friedhof wird den Eltern und Betroffenen ein Ort geschenkt, an dem sie um ihre Kinder trauern und sich erinnern können.

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