Was sind eigentlich Bauchwandbrüche, auch Hernien genannt?
Druckversion der URL: https://heidekreis-klinikum.de/Info-und-Aktuelles/Neuigkeiten/2020/20200121_Hernien.php

Was sind eigentlich Bauchwandbrüche, auch Hernien genannt?

Am häufigsten sind Leistenbrüche, insbesondere bei Männern: Jeder 4. Mann in Deutschland erleidet einen Leistenbruch, jährlich werden rund 250.000 Menschen wegen eines Leistenbruch operiert. Muss ein Bauchwandbruch operiert werden, ist die sogenannte Hernienchirurgie gefragt. Die Fachabteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Heidekreis-Klinikum ist seit November 2019 zertifiziertes Kompetenzzentrum der Deutschen Herniengesellschaft für Hernienchirurgie. Antworten rund um das Thema Hernien von Sylvia Aust, Oberärztin der Allgemein- und Viszeralchirurgie des Heidekreis-Klinikums.


Wie bemerkt man überhaupt, dass man eine Hernie hat, Frau Aust?

Oberärztin Sylvia Aust: „Bei dem Bruch der Bauchwand bekommt die Muskelhaut der Bauchdecke ein Loch. Das heißt, eine erworbene oder angeborene – zum Beispiel bei Nabelbrüchen – Lücke tritt in den tragenden Bauchwandschichten auf. Meist merkt der Betroffene diesen Bruch durch eine Schwellung oder Beule im Bereich des Bruchs. Oft tritt auch ein unangenehmes Druckgefühl oder schmerzhaftes Ziehen in diesem Bereich auf. Die Schwellung entsteht, weil sich Fettgewebe oder auch Darmschlingen durch die entstandene Lücke in der Bauchwand nach außen vorwölben können. In dem Moment, in dem eine Hernie starke Schmerzen verursacht, sollte jeder Betroffene grundsätzlich schnellstmöglich ins Krankenhaus kommen! In diesen, selteneren, Fällen haben sich Fettgewebe oder Darmschlinge in der Bruchlücke verklemmt, dann ist eine sofortige Operation nötig! Hier im Heidekreis-Klinikum haben wir besondere Expertise und viel Erfahrung im Bereich der minimalinvasiven Hernienchirurgie."


Bei welchen Menschen treten Bauchwandbrüche auf?

Aust: „Ursächlich für einen Weichteilbruch ist eine Schwäche des Bindegewebes und/ oder der Muskulatur. Unser Bindegewebe ist netzartig aufgebaut. Bei Menschen mit einer Bindegewebsschwäche fehlen einige Verstrebungen dieses Netzes, so dass die Struktur schwächer ist. Wenn sich dann der Druck im Bauchraum erhöht, wie z.B. beim Husten oder Niesen, beim Tragen schwerer Lasten, Pressen oder durch große Fettmassen im Bauchraum bei starkem Übergewicht, kann die Struktur reißen und es entsteht ein Bruch."


Kann eine Hernie von selbst heilen?

Aust: „Nein, leider nicht. Liegt ein Bauchwandbruch vor hilft nur eine Operation. Oft werden Netze – die auf der Innenseite der Bauchdecke oder in der Bauchwand fixiert werden und deutlich größer sind als das Loch selbst, damit es immer vom Netz bedeckt ist – verwendet. So ein Netz bleibt immer im Körper und verhindert damit ein erneutes Aufbrechen. Dabei gilt es aber stets zu beachten, dass es viele verschiedene Operationsmethoden gibt und nicht jede OP für jeden Bruch sinnvoll ist. Deshalb ist es wichtig, sich an ein Krankenhaus zu wenden, in dem hohe Fachkompetenz in der Hernienchirurgie vorliegt. Hier bei uns im Heidekreis-Klinikum stimmen wir das OP-Verfahren auf jeden einzelnen Patienten und seine Bruchform ab."


Oberärztin Sylvia Aust hält am Dienstag, den 21. Januar 2020 um 19 Uhr in der VHS Heidekreis, Rosenstraße 14, 29614 Soltau den Vortrag „Leistenbruch, Nabelbruch, Narbenbruch (Hernien): Entstehung, Erkennung & Therapie". Um Anmeldung in der VHS wird gebeten.

 

Die Fachabteilung für Allgemein-, und Viszeralchirurgie am Heidekreis-Klinikum ist als Kompetenzzentrum für minimalinvasive Chirurgie und als Hernienzentrum zertifiziert. Im HKK ist eine Versorgung von Hernien an 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, möglich. Außerdem gibt es eine Hernien-Sprechstunde für Patienten. Termine dafür können über Telefon 05161-602 14 72 vereinbart werden.

 

*Quelle: Herniamed