Dr. Hammoud mit seinem Patienten.

Magen komplett im Brustkorb: HKK-Viszeralchirurgie behebt seltenen Befund

Minimal-invasive Operation an Heidekreis-Klinikum Walsrode gibt Patient Hans V. seine Lebensqualität zurück. Chefarzt Dr. med. Bassam Hammoud führt Eingriff in anderthalb Stunden erfolgreich durch.

Walsrode. Ein vollständig in den Brustkorb verlagerter Magen, eine stark erweiterte Öffnung im Zwerchfell, dazu Teile der Bauchspeicheldrüse, die mitgerutscht waren: Der Fall von Hans V*. zählte zu den komplexesten Eingriffen, die das Team der Viszeralchirurgie am Heidekreis-Klinikum Walsrode (HKK) in jüngster Zeit behandelt hat. Dank eines laparoskopischen Eingriffs unter Leitung von Chefarzt Dr. Hammoud konnte der Patient bereits nach vier Tagen entlassen werden, beschwerdefrei und ohne große Operationsnarbe.

Krankheitsbild mit ernstem Risiko

Hans V. litt über Monate unter starken Bauchschmerzen, Blähungen, Druckgefühl und Nahrungsunverträglichkeiten – ohne zu wissen, was dahintersteckte. Erst im Rahmen einer Notoperation wegen eines Dünndarmverschlusses wurde als Zufallsbefund entdeckt, dass sein Magen vollständig aus dem Bauchraum in den Thorax verlagert war. Von einem Thoraxmagen sprechen Mediziner, wenn der Magen durch eine stark vergrößerte Öffnung im Zwerchfell in den Brustkorb verlagert wird. Es handelt sich um die schwerste Form eines Zwerchfellbruchs, auch Zwerchfellhernie genannt.

„Wenn der Magen im Thorax ist, muss man das zeitnah versorgen", erklärt Dr. Hammoud. „Ein frei beweglicher Magen kann sich verdrehen – und dann ist keine Passage mehr möglich, die Durchblutung ist gefährdet, das ist gefährlich." Eine Hernie bildet sich zudem nicht von selbst zurück; im Gegenteil: Unbehandelt wird sie mit der Zeit immer größer.

Präziser Eingriff mit fünf kleinen Zugängen

Dr. Hammoud und sein Team operierten laparoskopisch: Über fünf kleine Zugänge im Bauch. In anderthalb Stunden wurde der Magen aus dem Brustkorb zurückverlagert, im Bauchraum fixiert und das Zwerchfellloch mit Nähten verschlossen. Der sogenannte Bruchsack, der sich durch den Druck des Magens im Thorax gebildet hatte, wurde vollständig entfernt. Auf ein Kunststoffnetz, eine alternative Methode, verzichtet Dr. Hammoud bewusst: „Es gibt Fälle, wo das Netz gewandert ist und in den Magen oder die Speiseröhre eingewachsen ist. Das ist ein Risiko, das ich meinen Patientinnen und Patienten erst gar nicht zumuten will."

Die Nähte am Zwerchfell bleiben dauerhaft und stabilisieren den Muskel für den Rest des Lebens. „Das Zwerchfell wächst nämlich nicht wieder zusammen, das muss gehalten werden", so der Chefarzt. Durch Vernarbung und die Nähte entstehe aber langfristig eine belastbare Verstärkung.

 

Patient erholt sich rasch

Hans V. erinnert sich noch gut an die Nacht, die ihn schließlich in die Notaufnahme trieb. „In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag hatte ich Wahnsinnsschmerzen", berichtet er. Den Vergleich zu einer vorherigen, offen durchgeführten Bauchoperation zieht er selbst: Damals lag er zwölf Tage stationär, die Wunde war beim Nachhause gehen noch nicht geschlossen. „Diesmal war ich vier Tage nach der Operation wieder Zuhause und merke nichts mehr."

Inzwischen geht es Hans V. nach eigenen Angaben gut. Kleinere Beschwerden durch bestehende Verwachsungen im Unterbauch lassen sich momentan noch medikamentös gut steuern. „Falls ich doch wieder operiert werden muss, weiß ich, dass ich im HKK in guten Händen bin,“ so Hans V.

Wachsende Expertise am HKK

Fälle wie dieser sind nicht alltäglich, aber dennoch keine Ausnahme: Dr. Hammoud hat allein in den vergangenen zwei Monaten am HKK neun solcher Operationen durchgeführt. Seit seinem Amtsantritt als Chefarzt der Viszeralchirurgie werden Patienten mit einer solchen Erkrankung nicht mehr an andere Kliniken überwiesen, da nun die Fachkompetenz direkt vor Ort ist. „Um wirklich gut laparoskopisch operieren zu können, muss man selbst mindestens hundert solcher Operationen gemacht haben, bevor man wirklich sicher ist." Er hat diese Grenze längst überschritten.

Die laparoskopische Technik, bei der Chirurgen durch kleine Zugänge mit Kamera und Spezialinstrumenten operieren, ist der offenen Chirurgie in vielen Aspekten überlegen: Weniger Schmerzen, geringeres Infektionsrisiko, deutlich kürzere Liegezeiten. „Die Patienten können jetzt hier direkt im HKK operiert werden, gehen am vierten, fünften Tag nach Hause, ohne dass sie noch in punkto Wunde medizinisch nachversorgt werden müssen, das ist wirklich ein Schritt nach vorn," so Dr. Hammoud.

(* Der Nachname des Patienten wurde aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes abgekürzt.)

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