Das Team der Geriatrie-Station 2A.

Was sie noch vorhatte

Eine Geschichte über eine hochbetagte Patientin, ihr Hobby und einen besonderen Besuch auf der Geriatrie Station des Heidekreis-Klinikums Soltau.

„Wir denken gern daran zurück", sagt Romy Gernoth. Die pflegerische Leitung der Geriatrie-Station im Heidekreis-Klinikum in Soltau lehnt sich zurück und lächelt. Es ist eine dieser Geschichten, die im Team nicht verblassen. Die erinnert wird, wenn es schwierig wird. Die eine von denen ist, die zeigt, warum sie diesen Beruf gewählt haben.

Es begann mit einer Patientin, die aus ihrer eigenen Wohnung kam. Über zwei Wochen sollte sie bleiben, um wieder fit genug zu werden für zu Hause. Was allen auffiel: Sie häkelte. Nahezu ständig. Die Häkelnadel glitt durch die Wolle, gehalten von ihren Fingern, vermutlich nicht ohne Schmerzen – Arthritis, Arthrose, die üblichen Beschwerden im Alter. „Wir haben damals gar nicht so genau nachgefragt", erinnert sich Romy Gernoth. „Sie trug selbst immer ein gehäkeltes Tuch, und wir dachten uns nicht viel dabei."
Eine Kollegin hatte bei den Blutabnahmen mit der Patientin über ihre Handarbeit gesprochen. Die Dame habe erzählt, sie wolle noch einiges fertigstellen. Dann war sie regulär entlassen worden, zurück in ihre Wohnung. Der Kontakt endete, wie es im Klinikalltag üblich ist.

Dann kam der Besuch

Monate später, an einem Sonntagnachmittag, standen plötzlich ein junger Mann, eine junge Frau und ein kleines Kind vor der Tür der Station. Sie trugen eine große Tasche bei sich.

Die alte Dame war zu Hause gestorben. Als die Familie ihre Wohnung auflöste, fanden sie die Tasche. Darin: knapp zwanzig gehäkelte Dreieckstücher, jedes ein Unikat, in verschiedenen Farben und Mustern. Dazu handschriftliche Zettel mit präzisen Anweisungen. Die Tücher sollten der Geriatrie-Station übergeben werden, am besten an einem Sonntag. Für bestimmte Mitarbeiter sollten Merci-Schokoladen mit Namen besorgt werden.

Die Familie hielt sich genau an diesen Wunsch. Der Enkelsohn mit seiner Ehefrau und ihrem Kind brachten die Tasche, die Schokolade und ein selbst gemaltes Bild persönlich vorbei. „Das war schon ein sehr emotionaler Moment", sagt Miriam Grundmann, stellvertretende pflegerische Leitung. „Dass jemand so langfristig und bewusst etwas für uns vorbereitet – und dass die Familie diesen Wunsch über den Tod hinaus erfüllt – das ist wirklich außergewöhnlich."
Die vielen Tücher, jedes einzigartig, wurden auf einem Tisch ausgebreitet, damit alle Kolleginnen und Kollegen sie sehen konnten. Viele erinnerten sich an diese besondere Patientin. Und die Vorstellung, mit wie viel Ausdauer und trotz der körperlichen Einschränkungen sie daran gearbeitet haben musste, machte die Geste noch berührender.

Mehr als eine schöne Geste

Karten, Schokolade, Dankesworte – das kennen Pflegekräfte „und wir freuen uns immer darüber“, sagen Romy Gernoth und Miriam Grundmann beinahe gleichzeitig.

Aber diese Geschichte geht weiter. Im Team entstand die Idee, die Tücher nicht nur als Erinnerung aufzubewahren, sondern praktisch zu nutzen: Für Patientinnen und Patienten, die frieren oder sich über etwas Persönliches freuen würden. „Gerade die ältere Generation schätzt solche handgemachten Dinge sehr", weiß Romy Gernoth. So haben die Tücher heute einen doppelten Sinn: Sind Zeichen der Wertschätzung für die Pflege und zugleich auch etwas Gutes für andere.

Für die beiden Pflegefachkräfte ist die Geschichte mehr als nur ein schöner Moment. „Sie bestätigt uns in unserer Berufswahl", sagt Miriam Grundmann. Die Geriatrie werde oft unterschätzt, als wenig attraktiv dargestellt – im Vergleich etwa zur Geburtshilfe oder zur Arbeit mit jüngeren Patienten. „Dabei gibt es auch bei uns Fortschritte, Erfolge und medizinische Arbeit auf hohem Niveau. Die Geriatrie ist nicht die Endstation, als die sie manchmal fälschlich wahrgenommen wird."

Was die beiden Pflegefachkräfte besonders hervorheben: Der Teamzusammenhalt zwischen Pflege, Ärzten und allen anderen Berufsgruppen. „Dieses interdisziplinäre Miteinander auf Augenhöhe trägt uns alle auch durch belastende Phasen", sagt Gernoth. „Es ist ein wesentlicher Grund, weshalb wir hier auch trotz hoher Anforderungen, insbesondere, wenn zum Beispiel Grippewellen unsere Reihen ausdünnen, gern zur Arbeit kommen."

Die Geschichte der gehäkelten Dreieckstücher steht für das, was geriatrische Pflege im Kern ausmacht: Nähe, Beziehung, Wertschätzung und Sinn. Sie zeigt, dass Pflege weit über Routinen hinausgeht. Und sie zeigt, dass das, was Pflegekräfte geben, manchmal auf unerwartete und sehr persönliche Weise zurückkommt. Sogar über den Tod hinaus.

 

Foto: Nina Bernard/HKK: Ein Teil des Teams der Station 2A mit den gehäkelten Dreieckstücher (v.l.n.r.) Lorenz Breitkopf, Miriam Grundmann, Sophie Kindermann (hinten versetzt), Jacquelin Lemke-Hinz (vorne), Moritz Hanau, Romy Gernoth, Sabine Baden, Maike Käning (hinten), Devika Vetrivel und Azbije Iljazi.

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